Mittwochsmomente

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Mittwochs bin ich Besucher einer andere Welt, denn ich betrete die Straßenbahn. Mindestens zwei, manchmal auch drei, zwei Mal am Tag. Einmal die Woche verlasse ich meinen ziemlich heilen Mikrokosmos, der hauptsächlich aus Familienglück (meistens), Wohnchaos (immer), Cafe&krabbeldates (oft), Yoga&Sport (regelmäßig) und mir besteht, um mich fortzubilden. Dazwischen sehe ich vieles: und ganz viel davon macht mich traurig, nachdenklich, ratlos. ich lebe in Köln in einem ziemlich unspektakulären Viertel. Wir fühlen uns hier wohl, auch (oder gerade weil) wenn das (hipstereske) Leben woanders stattfindet. Stylische Cafés findet man hier keine, es sei denn man definiert die gängigen Ketten als solches. Süße Läden glänzen durch Abwesenheit, aber es gibt alles was man für den täglichen Bedarf braucht und ne Veedelskneipe. „‚Ne ehrliche Haut“ würde Grönemeyer vielleicht sagen. Egal wie man es labelt, wir fühlen uns hier heimisch, haben tolle, hilfsbereite Nachbarn, eine fast dörfliche Struktur (naja, fast) und sind ziemlich gut angebunden, außerdem zahlen wir uns nicht dumm&dusselig an Miete…Wollen wir eine vielfältige Gastroszene&Einzelhandelszene, fahren wir 10 Minuten mit dem Rad rechter Hand, wollen wir ein bisschen modernes Bürgertum, spazieren wir 10 Minuten nach Links, ins gentrifierte Gutmenschen-Sülz. (Vorsicht! Polemik!) Ziemlich heil hier alles. Szenenwechsel, wenn ich die Bahn betrete, spätestens die, die mich Richtung Fortbildung führt. Hier begegnen mir Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen am Rande der Gesellschaft sich befinden. Und viele steigen am gleichen Ort aus: Dem Wiener Platz. Hier weht ein anderer Wind. Opfer von Drogen, Alkohol, Verwahrlosung etc. findet man hier – je nach Tageszeit- überall. Ich fühle mich unwohl und eine subtile Traurigkeit macht sich breit. Und stelle mir immer wieder die gleichen Fragen- Warum gehts mir so gut und denen nicht? Was habe ich denn anders gemacht? Wieso ist die Welt so ungerecht? Und warum tue ich so wenig dagegen? Kann ich überhaupt was tun? Und während ich darüber sinniere, morgens und abends, erreiche ich  irgendwann mein Ziel, mein wohliges Zuhause, streife meine Schuhe ab und damit auch die Gedanken an die (schiefe) Welt draussen. Bis zum nächsten Mittwoch…

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